Repertorium Academicum Helveticum

Das Repertorium Academicum Helveticum (RAH) erschliesst die Universitätsbesucher aus dem historischen Untersuchungsraum der Schweiz zwischen 1250 und 1550. Dieser Raum wird nicht von den heutigen Kantons- oder Landesgrenzen her definiert, sondern von den politischen, kirchlichen und städtischen Strukturen der Vormoderne: den Orten der Eidgenossenschaft, ihren zugewandten Orten und Untertanengebieten sowie angrenzenden Diözesen, Herrschaftsräumen, Städten und Landschaften mit engem Bezug zum schweizerischen Raum. Im Unterschied zum Repertorium Academicum Germanicum (RAG) werden für diesen Raum sämtliche nachweisbaren Universitätsbesucher erfasst. Damit richtet das Helveticum den Blick auf einen regional bestimmten Personenkreis, dessen Studienwege, akademische Mobilität und spätere Wirkungsräume im europäischen Zusammenhang untersucht werden.

Das Repertorium Academicum Helveticum (RAH) umfasst 11’712 Studenten und Gelehrte mit Bezug zum historischen Untersuchungsraum. Davon stammen 6’504 Personen aus diesem Raum. Hinzu kommen 5’208 auswärtige Studenten und Gelehrte, die nicht aus dem Gebiet der heutigen Schweiz stammten, aber dort nachweisbar wirkten (Stand 05/2626).

Damit verbindet das Helveticum zwei Perspektiven: Es erfasst einerseits die akademische Mobilität aus dem schweizerischen Raum heraus und andererseits die Wirkung auswärtiger Universitätsbesucher im schweizerischen Raum.

Methodisch beruht das RAH auf einer digitalen Prosopographie. Erfasst werden nicht nur Namen und Studienorte, sondern auch Herkunft, Immatrikulationen, Graduierungen, Ämter, Tätigkeiten, Institutionen, Orte, Quellenbelege und – soweit nachweisbar – spätere Wirkungsräume. Dadurch lässt sich untersuchen, wie Menschen aus dem schweizerischen Raum an europäischen Universitäten ausgebildet wurden, welche Universitäten sie besuchten und in welchen kirchlichen, politischen, städtischen oder gelehrten Kontexten ihr Wissen später wirksam wurde.

Besondere Bedeutung kommt der Gründung der Universität Basel im Jahr 1460 zu. Sie machte den schweizerischen Raum selbst zu einem universitären Standort und veränderte die Mobilitätsmuster zwischen der Eidgenossenschaft, dem Reich, Frankreich und Italien. Das RAH erlaubt es daher, die Rolle Basels im Verhältnis zu älteren Studienorten wie Bologna, Paris, Montpellier, Heidelberg, Wien, Köln oder Erfurt vergleichend zu untersuchen.

Ziel des Projekts ist es, die akademische Mobilität und die Wirkungsgeschichte von Universitätsbesuchern aus dem schweizerischen Raum im europäischen Wissensraum sichtbar zu machen. Damit fragt das RAH nicht nur nach einzelnen Studienbiographien, sondern nach den grösseren Mustern von Bildung, Wissenszirkulation und institutioneller Verflechtung, die die vormoderne Gesellschaft Europas prägten.


Herkunftsräume der 6000 Studenten der Universität Basel 1460-1550 (Quelle: RAH). Die Universität Basel war die mit Abstand meist frequentierte Universität von Studenten aus der Eidgenossenschaft.